DIE UNABHÄNGIGE FACHZEITSCHRIFT FÜR HOCHZEITSMODE

Amandine Ohayon, Pronovias: „Ich bin eine pragmatsche Träumerin“

Sie ist seit drei Jahren im Amt und hat seitdem viel bewegt. Wir sprachen mit Amandine Ohayon, CEO der Pronovias Group, über die Zukunft der Brautmode, ihre neuesten Pläne für die Gruppe und den nord- und osteuropäischen Hub im niederländischen Huizen.

Wenn Sie jetzt zurückschauen auf die vergangenen drei Jahre als Geschäftsführerin von Pronovias – was waren Ihre besten und wichtigsten Momente?

„Da möchte ich vor allem die Akquisitionen der italienischen Nicole Fashion Group und von Ladybird nennen. Mit Carlo Marco Cavallo, CEO von Nicole arbeite ich sehr eng zusammen, wir ergänzen uns einfach, sind ein fast schon komplementäres Team. Das gleiche gilt für die Akquisition von Ladybird im vorletzten Jahr. Mit Olaf van den Brink von Ladybird habe ich mich in den vergangenen 18 Monaten seit der Eröffnung unseres Hubs in den Niederlanden schon oft getroffen. Wir haben gemeinsam viele Kunden besucht und sind viel gemeinsam rumgekommen. Ich habe wirklich viel gelernt und bin sehr stolz darauf, dass wir die Regionalisierung mit unseren Hubs so erfolgreich entwickeln konnten. Neben dem Hub im niederländischen Huizen haben wir ja auch unsere Büros in den USA, China und Italien für Südeuropa ausgebaut. Für mich ist es wichtig, ganz eng mit den Kunden und ihren Bedürfnissen zu agieren. Mein Motto lautet: Die Firmenführung sollte dort sein, wo die Aktivitäten stattfinden! Außerdem haben wir uns auf die Digitalisierung konzentriert. Das ist natürlich ein fortlaufender Prozess.”

Wie geht’s weiter mit #WeDoEco?

„Der zweite Großerfolg für mich persönlich war der Launch der #WeDoEco-Kampagne. Wir machen hier wirklich ein 360°-Produkt, das komplett nach nachhaltigen Kriterien produziert wird. Unsere #WeDoEco“-Kollektion ist beim Endverbraucher ein riesiger Erfolg. Wir bekommen so viele Rückmeldungen über Social Media. Die Verbraucher, vor allem die in Nordeuropa und den USA, sind auch bei der Vorbereitung ihrer Hochzeit sehr umweltorientiert. Wir sehen das bei der Pronovias Group als langfristiges Projekt. Von den neuen Kollektionen 2022, die wir bereits Ende März gezeigt haben, sind 30 % der Kleider ökologisch hergestellt. Unser Ziel ist es, dass 50 % der Kollektionen das Ökosiegel tragen werden. Aber bei allem Umwelt-Engagement: Wir werden uns weiter auf die Qualität des Designs und der Kleider fokussieren, darum machen wir einen Schritt nach dem anderen. Wir haben das Gefühl, auf diesem Gebiet wirklich einen Unterschied machen zu können. Allerdings ist das Umweltbewusstsein pro Land sehr unterschiedlich ausgeprägt.“

Wie unterstützt Pronovias die Brautmodenfachhändler bei deren Digitalisierungs-Prozessen?

„Wir launchen gerade unsere E-Learning Plattform. Dort finden sich einfach zu verstehende Tutorials für Fachgeschäfte, in denen eine Menge über unsere Produkte erklärt wird. Wir haben es so gestaltet, dass es fast so einfach ist, wie Netflix einzuschalten. Storytelling ist beim Verkaufsprozess sehr wichtig. Unsere Tutorials erklären sehr viel in kurzer Zeit. Diese Infos kann man gut weitergeben an die Endverbraucher.“

Im März wurde das neue Gebäude im niederländischen Huizen eröffnet. Welche Funktion hat es?

„Ja, endlich ist unser Hub in den Niederlanden umgezogen. Wir freuen uns, dass wir dort auch einen neuen Showroom eröffnen konnten. Neben unseren digitalen Showrooms, die wir ja gleich zu Beginn der Corona-Krise ermöglicht haben, gibt es dann endlich wieder die Möglichkeit Face-to-Face mit unseren Kunden zu sprechen. Ich glaube, ein Showroom, der eine große Bandbreite an Öffnungszeiten hat, bietet sehr viele gute Möglichkeiten für unsere Einzelhändler, um coronakonform einzukaufen. Unsere Kunden können für ein paar Stunden in die Showrooms kommen, werden hier bestens versorgt, aber müssen z.B. nicht übernachten. Wir haben für die nächsten Monate noch weitere lokale Showrooms geplant, insgesamt sechs in Deutschland, einer in Österreich sowie einer für die Niederlande und für Belgien. Auch ein Besuch der Interbride ist geplant.“

Was wird in den Showrooms angeboten?

„Ab jetzt werden dort alle Kollektionen von Pronovias, Nicole, House of St. Patrick, White One und Ladybird, aber auch unsere neue Kooperation Marchesa for Pronovias präsentiert. Wir freuen uns einfach, unsere Kunden wieder persönlich begrüßen zu dürfen. Außerdem kann man Trainings buchen. Eingeladen ist das komplette Team, nicht nur die Einkäufer oder die Besitzer der Brautboutiquen!“

Bei Laue Festgarderobe in Tellingstedt wurde der erste Shop-in-Shop in Deutschland eröffnet. Plant die Pronovias Group noch weitere zu eröffnen?

 „Die Zusammenarbeit mit Laue läuft wirklich ausgezeichnet. Eigentlich ist diese Kooperation auch mehr als ein Shop-in-Shop-System. Wir hören sehr konkret auf die Erfahrungen vor Ort und lassen diese zum Beispiel auch in unsere Designentwürfe einfließen. Für unsere ‚Diamond Customers‘ planen wir noch weitere Shop-in-Shops, aber die Exklusivität steht im Vordergrund.“

Was kann man für die Zukunft von Ihnen erwarten?

„Auf jeden Fall wird die Braut für uns im Mittelpunkt stehen! Mit Alden Misolas haben wir einen hervorragenden neuen Designer im Team. In der Zukunft werden wir die Hub-Struktur unseres Unternehmens weiter ausbauen und stärken. Wir suchen also nach starken Führungspersönlichkeiten in unseren internationalen Märkten, sodass alles, was wir in den Niederlanden aufgebaut haben, auch auf weitere Regionen übertragen werden kann. Unsere Investitionsschwerpunkte werden in Marketing, Produktion und Design liegen. Top-Priorität hat aber immer die Qualität jedes einzelnen Kleides.“

Das Thema Empowerment von Frauen ist Ihnen sehr wichtig. Warum?

„Stimmt, Woman Empowerment ist für mich ein wichtiges Thema. Unsere Kunden sind weiblich, 86 % unserer Mitarbeiter sind ebenfalls weiblich. Jetzt geht es darum, Frauen in Führungspositionen zu hieven. Da sind wir schon relativ erfolgreich und haben ein fast paritätisch besetztes ‚Executive Committee‘. Außerdem haben wir während des Corona-Lockdowns spanische Krankenschwestern mit Masken ausgestattet und uns für eine

Kampagne gegen häusliche Gewalt stark gemacht. Die spanische Regierung ist damals an uns herangetreten, da häusliche Gewalt in Spanien ein großes Problem ist. Wir bieten zum Beispiel für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, eigene Trainee-Programme.“

Und was tun Sie für die Männer?

„Frei nach dem Motto: ‚Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein starker Mann‘ bieten wir unseren männlichen Kollegen zum Beispiel Elternzeit und flexible Arbeitszeiten an.“

Wie sehen Sie persönlich in die Zukunft?

„Ich bin eine pragmatische Träumerin und fest davon überzeugt, dass die Zukunft der Brautmode rosig wird. Wir werden eine Zeit wie in den Goldenen Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts erleben. Vielleicht noch nicht in diesem Jahr, denn die Endverbraucher sind weiterhin stark verunsichert, aber spätestens in zwei bis drei Jahren werden wir große, aufwendige Partys feiern. Wir werden aus dieser Krise stärker hervorgehen! Natürlich ist die Situation für viele Geschäfte derzeit nicht einfach. Aber wir als Pronovias gehen mit dem Einzelhandel durch alle Höhen und Tiefen und streben eine sehr enge Zusammenarbeit an. Das ist es, was mich nachts wachhält! Wenn wir uns anschauen, mit welcher Resilienz und welcher positiven Energie die Bräute durch diese Zeiten gehen, dann können wir davon

sehr viel lernen. Diese Bräute wollen feiern!“

Welchen Einfluss hatte Corona auf die Zusammenstellung der Kollektionen?

„Natürlich haben wir unsere Kollektionen an die neue Zeit angepasst und bieten preiswertere, einfachere Kleider an.“

www.pronovias.com

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