Diese Frage hat Sposa Facts erfahrenen Storedesignern, Ladenbau- und Lichtexperten sowie nicht zuletzt Händlern gestellt. Sie alle unterstreichen die zentrale Bedeutung der Servicezone als Ort der Kaufentscheidung.

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Zu eng, zu muffig und schlecht ausgeleuchtet: Die Ergebnisse einer Studie, die der Lichtspezialist Ansorg 2017 beim Forschungsinstitut Innofact in Auftrag gab, fielen erschreckend aus, wenngleich sie sich vornehmlich auf den „klassischen“ Modehandel beziehen. Demnach verlassen mehr als 40 % der Konsumenten ein Geschäft mitunter deshalb ohne Kauf, weil ihnen die Kabinen nicht zusagen. 73 % ärgern sich über schlechtes Licht darin (bei den Frauen sogar knapp 80 %), mehr als 66 % über den fehlenden Spiegel zur Rückansicht, fast 63 % mangelt es an Bewegungsfreiheit und beinahe 60 % beklagen eine unzureichende Klimatisierung. Dass an dieser Stelle Umsatzpotenziale brachliegen, dürfte somit klar sein. Aktuelle Umbau- Projekte dokumentieren indes, dass dem zuvor offenbar vernachlässigten Areal inzwischen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

 

 

Wohlfühl-Atmosphäre „Eine entspannte Atmosphäre zum Wohlfühlen ist gerade im Brautmodeneinzelhandel besonders entscheidend“, unterstreicht Tina Jokisch, Geschäftsführerin des Architekturbüros Schwitzke & Partner aus Düsseldorf, und fährt fort: „Großzügigkeit ist in diesem Zusammenhang elementar – schließlich müssen die Kundin und die Beraterin ausreichend Fläche haben, um die mitunter stoffreichen Kleider bequem an- und auszuziehen.“ Im Brautraum in Herzebrock/ Deutschland weisen die Umkleiden z. B. ein Innenmaß von 1,80 × 1,80 m auf.

Hänsel & Gretel
Braut- und Abendmoden Hänsel & Gretel in Gunskirchen/ Österreich hat unlängst sogar eine VIP-Kabine eingerichtet, „Wolke 7“ genannt, die etwa 25 m² misst. Sie ist mit einer Glastür vom Rest des Verkaufsraums abgetrennt, um besondere Intimität zu gewährleisten. „Große Fensterf lächen sorgen für perfektes Tageslicht und gleichzeitig Frischluft, wobei die Kabine zudem vollklimatisiert ist. Eine riesige Spiegelf läche bietet der Braut die Möglichkeit, sich von allen Seiten zu betrachten. Außerdem verfügt die Wolke 7 über eine separate Musikbeschallung – die Kundinnen können eigene Musik mitbringen“, berichtet Geschäftsführerin Christine Rührlinger, und ist mit der Investitionsentscheidung sehr zufrieden: „Die Kabine kann für 50 € extra gebucht werden und kommt bei unseren Bräuten sehr gut an.“

Privatsphäre ist elementar
Jochen M. Messerschmid, Geschäftsführer der MAI Messerschmid Architekten und Innenarchitekten aus Stuttgart rät, die Kabinen, wenn möglich, über den Store zu verteilen, um jeder Braut und ihrer mitunter nicht kleinen Gefolgschaft eine ungezwungene Privatsphäre zu ermöglichen. „Wir haben unsere drei Kabinen so angeordnet, dass die Begleiter nicht auf andere Bräute schauen können, zwei Kabinen sind sogar so angeordnet, dass sich untereinander niemand sieht“, erläutern die Brautraum- Chefinnen Svenja Exner und Sinah Dumpe, die im vergangenen Herbst in Lüdinghausen ein weiteres, identisch konzipiertes Geschäft eröffneten. Das Architekturbüro Blocher Partners, Stuttgart, empfiehlt außerdem, die Umkleiden möglichst weit vom Eingang entfernt zu positionieren.

Ausreichend Raum
Ähnlich wie in der Kabine selbst, ist auch davor, wo die Kundin/der Kunde das Outfit präsentiert und betrachtet, ausreichend Raum gefragt. „Auch hier sollten Spiegel für einen vollständigen Blick auf die Garderobe vorhanden sein“, so dass Blocher Partners-Team. „Außerdem ein Podest, auf das sich die Kundin stellt, damit das Kleid optimal fällt und exakt abgesteckt werden kann“, nennt Jochen M. Messerschmid einen weiteren Aspekt. „Eine stilvolle Möblierung mit Sofas oder Sesseln und Beistelltischen schafft eine gemütliche Atmosphäre, die bei den Begleitern die notwendige Geduld bis zur finalen Entscheidung sicherstellt“, ergänzt Tina Jokisch, während Jochen M. Messerschmid aus gleichem Grund die Bereitstellung von Getränken ins Spiel bringt. Wohnliches Ambiente „Grundsätzlich“, sagt Heinz-Herbert Dustmann, Geschäftsführerdes international tätigen Ladenbauunternehmens Dula, „sollte das Ambiente des Umkleidebereichs das Storedesign aufgreifen und konsequent fortführen.“ Tina Jokisch favorisiert hochwertige Materialien, „die den Eindruck einer edlen Hotelsuite vermitteln“ und plädiert für ein angenehmes Laufgefühl unter den Füßen dank weichem Teppich. Auch Heinz-Herbert Dustmann meint, dass die Kabinen wohnlich anmuten sollten: „Das gelingt durch Stoff oder Tapete an den Wänden, schöne Hocker oder Sitzmöbel. Es sollten zudem ausreichend Ablagef lächen für Handy, Brille oder Handtasche sowie praktische Kleiderstangen und -haken für die eigene Garderobe vorhanden sein.“ Große Spiegel wurden bereits erwähnt und sind, so Jochen M. Messerschmid, „im Idealfall hinterleuchtet“.

Ins rechte Licht rücken
„Gutes und richtiges Licht ist ein Muss, um der Braut zu schmeicheln und sie von ihrer besten Seite zu zeigen – selbst wenn das Kleid in den Wintermonaten und noch ohne den perfekten Sonnenteint anprobiert wird“, sagt Tina Jokisch. Wie das gelingt? „Direkte Beleuchtung von oben ist tabu und wenn sie doch zum Einsatz kommt, sollte sie niemals direkt nach unten strahlen, sondern seitlich auf die Wand“, antwortet Jochen M. Messerschmid.

Lichtoptimierte Kabinen
Ansorg hat unter dem Namen „Youzon“ eine lichtoptimierte Kabinenlösung entwickelt, die in der höchsten Ausbaustufe einen intelligenten Spiegel beinhaltet. Dieser erkennt auf Basis von RFID-Technik die probierte Ware und stimmt das Licht optimal darauf ab. Im Nahbereich wird die Materialität der Stoffe besonders gut sichtbar gemacht. Denn auch das ist schließlich enorm wichtig, ebenso wie eine gute Farbwiedergabe, auf die Heinz-Herbert Dustmann verweist (die Dula- Gruppe beschäftigt auch ein eigenes Lichtplanungs-Team): „Das Licht muss spezielle Farbwiedergabeeigenschaften sitzen, um die verschiedenen Weiß-, Puder- und Champagnertöne der Brautroben oder lau- und Schwarznuancen der Herrenanzüge optimal abzubilden.“ Nochmals zurück zu Ansorgs „Youzon“: Hier sorgt gleichzeitig eine Lichtaura gegenüber des Hauptspiegels dafür, dass sich die Kunden als strahlende Erscheinung erblicken und keineswegs als fahl und blass
wahrnehmen. „Eine tolle Funktion ist zudem veränderbares Licht, dass verschiedene Tageszeiten simuliert“, findet Tina Jokisch und erklärt: „So kann die Kundin schon beim Anprobieren testen, wie ihr Kleid im Tageslicht oder zum Abend bei Kerzenschein aussieht.“

 

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