DIE UNABHÄNGIGE FACHZEITSCHRIFT FÜR HOCHZEITSMODE

JUNEY VAN DER BLIEK: “Ich bin ein Road-Man”

Er gilt als Macher und Hands-on-Typ: Juney van der Bliek managt das Vertreterteam von der Pronovias Group aus dem Hub im niederländischen Huizen. Wir sprachen mit ihm über die Pläne der Pronovias Group, Lieferschwierigkeiten und die bevorstehenden Road-Shows.

Als wir mit Juney van der Bliek verabredet sind – coronakonform via Zooms-Meeting – geht bei ihm ständig das Telefon. Er ist ein gefragter Mann in der Brautmodenbranche, schließlich managt er von seinem Büro im niederländischen Huizen aus die zehn Handelsvertreter, die für die Marken Pronovias, Atelier Pronovias, White One, Ladybird, Nicole und Vera Wang Bridal im Einsatz sind. „Ich vertrete im niederländischen Pronovias Hub – wir nennen es den Nord-Hub – sechs Länder und sechs Brands“, schmunzelt er. Der sympathische Niederländer ist ein echter Workaholic. „Im vergangenen Jahr war ich sieben Wochen am Stück unterwegs. Ich liebe das Reisen und den direkten Kontakt zu meinen Kunden. Meine Frau begleitet mich. Darum macht mir das Reisen doppelt viel Spaß!“ Im Interview verrät er, wie er das Multitasking schafft und was sein Blick in die Zukunft ist.

1) Sie sind seit einem Jahr für den Verkauf im Pronovias-Hub zuständig. Was ist genau ist Ihre Aufgabe?

„Da muss ich etwas ausholen. Mein offizieller Titel ist Area Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie Benelux. Meine Aufgabe ist es, unsere Vertreter zu coachen, zu informieren und es ihnen zu ermöglichen, erfolgreich zu verkaufen. Außerdem betreue ich die Key-Accounts in diesen sechs Ländern persönlich. Das wichtigste für mich ist aber, ein Team zu formen, das gemeinsam für die Werte der Pronovias Group einsteht.“

2) Wie managen Sie diese Vielzahl an Aufgaben?

„Im vergangenen Jahr haben wir erlebt, dass unsere Road-Shows, zum Beispiel die in Düsseldorf, Frankfurt oder Salzburg, sehr erfolgreichen waren. Früher sind die Pronovias-Vertreter mit Fotobüchern gereist – heute besuchen wir nicht nur die Geschäfte, sondern bieten während der Road-Shows auch das komplette Sortiment an. Wir präsentieren sechs Kollektionen und damit über 970 Brautkleider. Dahinter steckt eine enorme logistische Leistung. Jede Kollektion wird eigenständig inszeniert, zum Beispiel durch Blumendekorationen. Außerdem verwöhnen wir unsere Einkäufer mit Erlebniscatering. Wir haben die Willkommens-Kultur von Ladybird, die viele Kunden ja von den Events und Messen in Noordwijk kennen, auf die komplette Pronovias-Gruppe übertragen. Das kam gut an, denn die Nähe zum Kunden ist mir überaus wichtig. Wir haben das Beste aus zwei Welten miteinander vereint.“

3) Und in der Zukunft?

„Ich plane, dass jede Brand in der Zukunft einen eigenen Vertreter bekommt. Das hat den großen Vorteil, dass der- oder diejenige sich dann in der Kollektion auch wirklich sehr gut auskennt. Ich plane, das Team etwas umzustrukturieren und zu optimieren. Für dieses Jahr sind Road-Shows übrigens in Sindelfingen und Düsseldorf und natürlich in unseren Showrooms in Huizen geplant. Wir haben die Kollektionen von Ladybird und White One ja bereits auf dem ABC-Salon präsentiert. Die Kunden schätzen die frühe Bestellung.“

4) Wie reisen Sie?

„Da ich ja teilweise wochenlang an einem Stück unterwegs bin, habe ich alles immer in einem riesigen Koffer dabei. Meine Frau reist mit mir, sie ist meine Assistentin. Ich bekomme einfach sehr viel Energie vom Reisen – ich bin ein echter ‚Road-Man‘. Ich habe keine Zeit, um auszuruhen, aber genau das genieße ich.“

5) Was ist Ihr wichtigstes Ziel?

„Ich möchte gerne unser mitteleuropäisches Know-how – über Kundenwünsche, den Hochzeitsmarkt, Passformen etc. – nach Barcelona tragen. In Amandine Ohayon (CEO Pronovias, Anmerkung der Redaktion) habe ich da die perfekte Zuhörerin. Ladybird und nun auch White One mit seinem belgischen Designer Alden Misolas sind Marken mit einem mitteleuropäischen Twist. Wir möchten Ladybird gerne auch in den USA vertreiben, das ist ein riesiger Markt für uns.“

6) Auf welche Zielgruppen fokussieren Sie sich?

„Als Marktführer bedienen wir natürlich sämtliche Zielgruppen. Aber mit Ladybird und White One haben wir uns auf curvy Brides spezialisiert. Wir zeigen leichte, sexy Kleider, die jede Braut tragen kann. Das Beste daran: Wir verlangen für große Größen keinen Zuschlag. Wir haben alle Schnittmuster – übrigens auch die von Pronovias – an große Größen angepasst. Außerdem haben wir die wichtigsten SEO-Begriffe, nach denen curvy Bräute suchen, herausgefunden und unsere Website optimiert. So unterstützen wir den Fachhandel.“

7) Was ist Ihr größtes Corona-Learning? Was ist besonders gut gelaufen in den vergangenen zwei Jahren – und was überhaupt nicht?

„Die Herausforderungen lagen vor allem bei den Verzögerungen der Lieferungen. Wir hatten riesige Probleme in unseren Lieferketten. Das war wirklich tough in den vergangenen Monaten. Wir sind abhängig von unseren Lieferanten, von den Grundstoffen etc. Ich kämpfe für meine Kunden, aber auch ich stoße natürlich irgendwann an meine Grenzen. Wir haben die Road-Shows in diesem Jahr auch deswegen so früh terminiert, damit Kunden früh ordern können und so auch die Lieferzeiten nach vorne gezogen werden können. Außerdem haben wir ein umfangreiches Never-out-of-Stock-Programm für die Bestseller entwickelt. Das heißt, wir halten etwa 40 Kleider aus jeder Kollektion in verschiedenen Größen im Lager in Barcelona auf Vorrat. Diese können innerhalb kürzester Zeit verschickt werden. Wir liegen jetzt bei Lieferzeiten zwischen vier bis fünf Monaten, aber unser erklärtes Ziel ist auf jeden Fall, in Zukunft schneller zu liefern.“

8) Worin liegt Ihrer Meinung nach die größte Stärke des Pronovias-Hubs in Huizen?

„Wir setzen uns für unsere Kunden ein. Wir sprechen die gleiche Sprache wie unsere Kunden, wir kennen den Markt in- und auswendig. Außerdem verfügen wir über ein Customer Marketing mit viel Erfahrung und Know-how. Diesen wollen wir in Zukunft sogar ausbauen. Ohnehin steht Service bei uns im Mittelpunkt. Wir sind nicht nur eine Verkaufs-Agentur. Wir unterstützen unsere Kunden aus einer 360 Grad-Perspektive.“

9) Was sind die Vorteile für die Bridalboutiques?

„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir vor einem großen Wedding-Boom stehen. In diesem Jahr wird das Business durch die Decke gehen. Wenn erstmal das normale Leben zurückkehrt und wir keine Einschränkungen mehr durch Corona haben, werden wir wieder viele große Hochzeiten feiern. Wir haben uns in den vergangenen Monaten stark verändert und sind mitten in einem Transformationsprozess. Drei Stichworte beschreiben unser Tun am besten: bigger – faster – simpler. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel planen, E-Mails innerhalb von kürzester Zeit zu beantworten und kurze Wege in der Kommunikation zu schaffen. Wir planen während der Barcelona Bridal Fashion Week eine sensationelle Modenschau, die alle Erwartungen übertreffen wird. Bei Pronovias arbeiten mehr als 1100 Beschäftigte. Kein anderer Brautmodenhersteller ist so groß. Diese Stärke wollen wir in Zukunft noch besser nutzen.“

10) Wo sehen Sie Pronovias in den nächsten Jahren?

„Ich freue mich zunächst einmal, dass die Multi Brand Convention Anfang März so ein großer Erfolg war. Es war ein Erlebnis, die Kunden endlich wieder persönlich zu sprechen. Wir haben sehr viel Zeit, Energie und auch Geld in unsere neue Pronovias-Kollektion ‚Joy‘ investiert. Wir haben eine komplett neue Body-Struktur entwickelt. Wenn wir die Kleider während der Düsseldorfer Road-Show präsentieren, werden die Kunden Gänsehaut bekommen. Das garantiere ich!“

www.pronovias.com

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