Welche Bezahloptionen sind ideal für den Hochzeitsmodenhandel?

Von Bargeld über diverse Karten und das kontaktlose Zahlen bis zu Mobile Payment – das Spektrum der Bezahloptionen ist in den letzten Jahren deutlich breiter geworden. Welche Möglichkeiten sollte der stationäre Hochzeitsmodehandel seinen Kunden (künftig) bieten? Sposa Facts hat einen Überblick inklusive internationalem Vergleich zusammengestellt.

Text Stefanie Hütz

Die allgemeingültige Empfehlung von Horst Rüter, Leiter des Forschungsbereichs Zahlungssysteme und Mitglied der Geschäftsleitung des EHI Retail Institute in Köln, lautet: „Händler sollten stationär in jedem Fall Bargeld und Debitkarten akzeptieren, in grenznahen Lagen zudem Kreditkarten beziehungsweise die Debitvarianten der Kreditkartengesellschaften. Da es sich bei Hochzeitspaaren in der Regel um jüngere, Smartphone-affine Kunden handelt, könnte darüber hinaus das Angebot mobiler Bezahlverfahren imagefördernd sein, wenngleich es sicher nicht kaufentscheidend ist.“ Martin Wülser, Geschäftsführer der Tessa & Thomi Brautmode AG im schweizerischen Thun, bestätigt: „Unsere Kunden richten sich beim Bezahlen nach uns. Es ist nicht erforderlich, die neueste Innovation anzubieten, dennoch sollten wir meines Erachtens in punkto Mobile Payment mit der Zeit gehen.“

Debitkarten als Zahlungsmittel

Insgesamt dominieren derzeit Debitkarten als Zahlungsmittel an POS-Terminals, besagt der Europa Payment Report des EHI. Die Schweiz weist dabei den höchsten Kreditkartenanteil aus, doch auch in den anderen Staaten konnten Kredit- und Chargekarten inzwischen signifikante Marktanteile erlangen. Der Unmut des Handels über die hohen sog. Card Scheme Fees der Kreditkartengesellschaften bleibt dabei hoch.

In Deutschland hat auch das SEPA-Lastschriftverfahren (SEPA-ELV) einen relevanten Stellenwert, ein karteninitiiertes, unterschriftenbasiertes Bankeinzugsverfahren. Überhaupt Deutschland: Während in den Niederlanden selbst Kleinbeträge überdurchschnittlich häufig mit Karte gezahlt werden, lieben deutsche Konsumenten weiterhin das Bargeld. Innovativen Technologien gegenüber sind sie vergleichsweise verschlossen – Datenschutz- und Sicherheitsbedenken, insbesondere Sorge vor Datenmissbrauch durch Hacker, treiben sie um. Nichtsdestotrotz haben – bezogen auf den Umsatzanteil – laut EHI im Jahr 2018 auch in Deutschland erstmals alle Kartensysteme zusammengenommen die Barzahlung als stärkste Zahlungsart an den Kassen des Einzelhandels abgelöst. Die Verbraucher finden mittlerweile hier wie dort stetig größeren Gefallen an innovativen Bezahlprodukten.

Mobile payment: noch unübersichtlich

Horst Rüter bemerkt jedoch: „Sowohl Händler als auch Verbraucher sind aufgrund der vielen unterschiedlichen Payment-Lösungen verunsichert.“ Neue Marktteilnehmer und Lösungen schießen wie Pilze aus dem Boden, beispielhaft genannt seien Google Pay, Apple Pay, Bluecode oder die Mobilbezahl-Apps der Kreditinstitute.

Was setzt sich durch?

Welche werden sich durchsetzen und rechtfertigen die Investition in Terminals und Co.? Bei den sogenannten innovativen Bezahloptionen sind zunächst zwei Varianten zu unterscheiden: das kontaktlose und das mobile Bezahlen. Beim kontaktlosen Bezahlen hält man die Debit- oder Kreditkarte, statt sie wie bisher in ein Gerät einzustecken, vor das Lesegerät an der Ladenkasse und in Sekundenschnelle ist die Rechnung beglichen. Der Begriff mobiles Bezahlen verweist auf Smartphone oder Smartwatch etc., mit denen bezahlt wird. „Das Smartphone wird nach unserer Erwartung mittelfristig die Karte verdrängen“, glaubt Volkmar Boch vom Zahlungsdienstleister Payone (vormals Ingenico), wobei in den meisten Fällen dieselbe Kontoverbindung hinterlegt ist.

Nfc-basierte verfahren

Für den Händler ist somit eine der entscheidenden Fragen neben dem Vorhandensein der adäquaten Technologie, ob er die in den Wallets der Smartphones hinterlegten Debit- und Kreditkarten akzeptiert. Die Mobile-Payment-Lösungen sind dann entweder NFC- (Near Field Communication, kontaktloser Austausch von Daten über kurze Strecken per Funk), QR- oder Barcode basiert. NFC-basierte Verfahren, denen das größte Potenzial für einen weltweiten mobilen Standard vorausgesagt wird, werden wie eine kontaktlose Kartenzahlung abgewickelt, das Smartphone wird also vor das Lesegerät des Zahlungsterminals gehalten, das NFC-fähig sein muss.

Optische lesegeräte

Für QR- und Barcode basierte Verfahren werden optische Lesegeräte benötigt. Die auf den Smartphones der Kunden generierten Codes werden damit gescannt. Urs Wehrle, Geschäftsführer der Liluca AG mit Stammsitz in St. Gallen, bleibt gelassen: „In diesem Bereich wird es noch viele Veränderungen geben. Die Digitalisierung hat gerade erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wir machen uns keine großen Gedanken über die Entwicklung. Die spezialisierten Anbieter werden uns rechtzeitig auf die neuen Entwicklungen aufmerksam machen.“

Wer vorab mehr wissen möchte: Das EHI hat die Mobile Payment Initiative gegründet, um den Informationsbedarf zu decken – dort gibt es auch einen Schnell-Check, mit dem zumindest deutsche Händler herausfinden können, mit welchen Wallets/Bezahl-Apps Kunden bei ihnen bezahlen können (www.mobile-payment-initiative.de). Schulungsbedarf gibt es auch bei den Kassenmitarbeitern: Sie sollten den Ablauf des Bezahlprozesses verstehen und gegenüber den Kunden vermitteln können.

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